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Borni soit qui mal y pense

 
Ich habe einen neuen Indianernamen, quasi.

"Der immer alle Bücher kauft".

Wobei das eine Kurzfassung ist.

Die Langform ist: "So ein Kleiner mit kurzen Haaren, der immer alle Bücher kauft".

Geht auch noch länger: "So ein kleiner Dicker mit kurzen Haaren, der nicht in die Bibliothek geht oder sich die Sachen ausleiht oder kopiert, sondern immer alle Bücher kauft und die ganze Zeit mit extrem langen Wortbeiträgen nervt, die kein Mensch kapiert und die vom Thema abzuweichen scheinen". Aber SO hart war die Beschreibung dann doch nicht.

Mal davon abgesehen, dass ich gar nicht immer alle Bücher kaufe, die in Lehrveranstaltungen mehr oder weniger zum Apparat des zu nutzenden zählen: Wo ist das verdammte Problem???

Okay. Ich KAUFE Bücher. Bücher, die ich brauche, um in Lehrveranstaltungen mit den darin enthaltenen Texten arbeiten zu können.

Und genau das ist das Problem von meiner Seite her. Denn leider muss ich 21 Stunden die Woche arbeiten. In meinem Beruf. Minimum. Tatsächlich meistens mehr. Darüber hinaus gebe ich mir "freiwillig" Mitarbeit in der studentischen und in der akademischen Selbstverwaltung. Macht nochmal so inklusive Schriftverkehr gut 10 Stunden. Ebenfalls eher mehr. Müsste ich eigentlich nicht. Aber sollte ich halt schon machen, wenn ich will, dass das, was ich denke, was gemacht werden sollte, auch tatsächlich gemacht wird - und nicht einfach liegen bleibt.

Dieser Bornheimer hier ist im Ergebnis fast jeden Tag mindestens bis 20 Uhr mit irgendwelchen Arbeiten beschäftigt. Also, inklusive so Lappalien wie dem Nachkommen zu seiner Verpflichtung, in Lehrveranstaltungen physisch anwesend zu sein, die mit dem (meinerseits) gewollten geistigen Anwesendsein und Mitarbeiten einhergeht.

Danach haben die meisten Bibliotheken, mindestens aber die meisten Copy Shops, schlicht zu, oder leihen nicht mehr aus, oder, selbst wenn sie ausleihen würden und eine Kopiergelegenheit existieren würde, immer genau dasjenige verflixte Drecksbuch (pardon), das ich dringendst brauche, ist schlicht schon von wem anderen ausgeliehen.

Ich würde sehr, sehr gerne in Bibliotheken müßiggehend arbeiten, durch die Regale stöbern, Querverweisen nachgehen, und einfach meiner Neugier folgen können.

Aber das haut rein zeitlich nicht hin.

Also: Ja, ich KAUFE Bücher. Und nicht gerade wenige. Und zwar deswegen, weil ich keine andere Wahl habe.

Davon abgesehen: Wenigstens kann ich mich damit trösten, dass die Leute, die Bücher schreiben, von mir einen (sehr...) bescheidenen Beitrag zu ihrem Lebensunterhalt bekommen. Und in Verlagen und Zwischenhändlern Arbeitsplätze gesichert oder wenigstens bei deren InhaberInnen die Kaufkraft gestärkt wird...

Und wenn dann wieder jemand seine Abscheu äußert, dass ich Bücher allen Ernstes kaufe, ich verabscheuenswertes Unwesen, ich, nun, dann war das jetzt wenigstens einen blog-Eintrag bei mir selbst wert...
rona meinte am 10. Dez, 21:39:
wer sagt den das bücher kaufen schlecht ist. okay es geht bei lehrbücher mit der zeit ins geld. aber sonst.... wieso nicht
die machen sich irgenwann gut im bücherregal, was ja auch was ist... oder nicht????

rona 
Bornheimer antwortete am 10. Dez, 21:48:
Wer das genau sagt, weiß ich nicht. Aber es ist halt die mittlerweile gängige Beschreibung für mich gegenüber anderen KommilitonInnen bei mir an der Uni. Denn das kam in den letzten Wochen gleich aus zwei voneinander unabhängigen Richtungen.

Mit dem unterschwelligen Vorwurf, ich sei mir wohl "zu fein" für die Biblitohek und habe zudem einen angeberischen Habitus in Bezug auf meinen Literaturbesitz.

Es SIND auch eigentlich keine Lehrbücher im engeren Sinn. Also, nicht "Soziologie I - Methoden und Theorien" (Titel frei erfunden), sondern eher so Dinger wie "Die Ordnung der Dinge" von Michel Foucault, was halt auch nicht ein Buch zum Seminarthema ("Sozialstaatliche Gouvernementalität"), sondern halt so eine Art Hilfs-Seminarapparat, auf den ich dann eine Hausarbeit aufbauen will.

"Bücherregal" ist bei mir auch nur noch im Plural "Bücherregale" zutreffend... aber da stehen halt zu 80% Sachen drin, von denen ich glaube, dass ich sie brauchen könnte oder die ich sogar schon mal für die Uni gebraucht habe.

Ich geb' ja zu, dass ich mittlerweile kaum noch andere "Hobbies" habe und als fast schon manischer Bücherwurm durchgehe.

Aber das wird anscheinend selbst an Unis negativ konnotiert. :o( 
MissRhapsody meinte am 10. Dez, 21:56:
Abgesehen davon, dass es defintiv viel viel schlimmere Spitznamen gibt, so haben deine Komolitonen scheinbar nicht wirklich was zu tun, wenn sie sich darüber aufregen.
Aber das sind ja fiese Öffnungszeiten in euer Bib.Bei mir hat die bis eins oder zwei auf (ich habs aber noch nicht ausprobiert). 
Bornheimer antwortete am 10. Dez, 22:00:
Bis nach Mitternacht?

Paradiesisch...

Abt. Gesellschaftswissenschaften

In der Vorlesungszeit:

* Montag - Freitag von 8.30 - 20.00 Uhr (bereits ab 1. 4. bzw. 01. 10.)
* Samstag von 9 - 12 Uhr ( ab Vorlesungsbeginn)



In der vorlesungsfreien Zeit mit erweiterten Öffnungszeiten ab 18.07.2005:

* Montag - Freitag von 9.30 - 19.00 Uhr

Elektronische Ausleih- und Rückgabeverbuchung nur von 10.00 - 17.00 Uhr, Kopierausleihe während der gesamten Öffnungszeit möglich


Siehe hier

Die Hauptbibliothek ist ebenso "ausleihfreudig"

(Diese Öffnungszeiten erklären auch recht gut, warum seine Magnifizenz Steinberg der Meinung sein kann, dass man "nachts um zwei keinen legitimen Grund haben kann, sich auf dem Campus aufzuhalten"...) 
MissRhapsody antwortete am 10. Dez, 22:11:
ich war mal nachts um eins in der uni und hab nen eis gegessen. war lustig. grund? die kurzfassung: haben spät abends erfahren, dass es neue klausurergebnisse gibt, sind hingefahren und haben zur feier ein eis aus so nem dämlichen automanten gegessen
und ich hab jetzt mal nachgeschaut, ist bei mir wirklich bis eins.
hätte nicht gedacht, dass das was besonderes ist, aber bei dir ists ja echt sehr mau mit den öffnungszeiten 
anna25bell meinte am 10. Dez, 22:05:
sehr schöner Beitrag ich leihe aus Prinzip nichts aus ich kaufe auch und zwar jedes Buch das sich für mich in irgendeiner Weise interressant ist. Ich habe auch alle Harry Potter Bücher und zwar in deutsch und englisch. Ich werde auch oft gefragt wieso ich nicht All die Bücher ausleihen würde da würde ich einiges an Geld sparen. Meine Standantwort auf sowas ist meisten weil es mir Spass macht und ich gerne lese , basta. Mehr gibt es da nicht zu sagen. Im Übrigen tun das die meisten meiner Freunde oder Verwandte auch. Mein Mann z.b liest noch mehr wie ich und das hat was zu heißen er kauft auch alle Bücher selbst...